Karriereende im Spitzensport: Wenn der letzte Wettkampf nicht das Ende ist

Das Karriereende im Spitzensport ist ein grosser Wendepunkt im Leben einer Athletin, respektive eines Athleten, es folgt eine Lebensphase mit Umstellungen und allenfalls Entzugserscheinungen, aber auch neue Chancen. Das soziale Umfeld verändert sich stark, der Alltag ist nicht mehr sportlich durchstrukturiert, man muss sich mit Identitätsfragen sowie der privaten und beruflichen Zukunft auseinandersetzen. Die Anpassung an die neue Lebenssituation dauert in der Regel 8 – 19 Monate.

Von seinen persönlichen Erfahrungen als einst erfolgreicher Spitzenruderer und aus seiner wissenschaftlichen Arbeit am Institut für Sportwissenschaften der Universität Bern berichtete Michael Schmid am Meeting vom 13. März 2025, kompetent und spannend.

Michael Schmid trat 2019 mit 31 Jahren vom Spitzensport zurück. Rücktrittsgründe, die bei ihm vielfältig waren, beeinflussen den Übergang in die «sportliche Pensionierung».Sie können leistungs-, berufs-, familien-, finanziell- und gesundheitsbedingt sein oder durch das sportliche Umfeld beeinflusst sein.

Das Institut für Sportwissenschaften führte in Zusammenarbeit mit «swiss olympic» eine Erhebung bei 340 Olympiateilnehmenden der Jahre 1988 – 2012 durch, sowie bei 84 Spitzenfussballerinnen. Erhoben wurden die Auswirkungen des Spitzensports auf die Ausbildung und berufliche Karriere, die familiäre Lebenssituation, die körperliche und psychische Gesundheit.

Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung der Schweiz weisen ehemalige Olympiateilnehmende höhere Bildungsabschlüsse auf (46% mit Abschlüssen auf einer Fachhochschule oder Universität). SpitzensportlerInnen weisen auch im Vergleich zu ihren Geschwistern höhere Schulabschlüsse auf oder arbeiten in Berufen mit einem höheren Prestige.

Das Verletzungsrisiko im Spitzensport ist hoch. Während ihrer Karriere hatten zum Beispiel 82,4% im Ski Alpin und 81,6% im Ski Freestyle, in den Sommersportarten 82% im Handball oder 78% im Badminton Verletzungen, die mehr als einen Monat dauerten. Nach Karriereende weisen 35% gesundheitliche Probleme auf (besonders Rücken- und Gelenkprobleme). Die erfassten Olympiateilnehmenden spüren aber eine positive Beeinflussung des Spitzensports auf die körperliche (53%) und psychischen Gesundheit (76%), die Lebenszufriedenheit (82%) und das Selbstwertgefühl (89%).

44% bleiben nach Karriereende sportlich aktiv und nehmen an Wettkämpfen teil, 36% betreiben Gesundheitssport und 20% betreiben kaum mehr Sport.

Eine frühzeitige Auseinandersetzung mit der Zukunftsplanung ist wichtig.Vereine und Verbände müssen dabei ebenfalls ihre Verantwortung wahrnehmen und proaktiv eine Unterstützung anbieten.Der Spitzensport ist eine Lebensschule, die es nach dem Karriereende zu nutzen gilt.

Urs Grüter